Ziel im Visier
Deutscher Schützenbund e.V. - DSB
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01.06.2013

Übungsleiter

 - und deren Vergütung  

Während in dem großen Finanzmarkt Milliarden zu Lasten des Steuerzahlers verschoben werden, muss sich der Bürger mit Kleingeld zufriedengeben. Dennoch ist es erfreulich, dass mit dem Gesetz zur Stärkung des Ehrenamtes rückwirkend zum Jahresbeginn 2013 die Übungsleiterpauschale um 300 Euro jährlich angehoben worden ist. Damit bleiben Einnahmen aus nebenberuflichen Tätigkeiten wie Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher oder Betreuer bis zu 2.400 Euro pro Jahr nach dem Einkommensteuergesetz frei von Abgaben, wenn die Tätigkeit im Auftrag oder Dienst der öffentlichen Hand oder zu gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zwecken erfolgt (Übungsleiterfreibetrag). Dieser Betrag ist auch befreit von Sozialabgaben jeglicher Art.

Ehrenamtliche Helfer, die quasi wie Arbeitnehmer tätig sind, können diese Pauschale von Vereinen und Institutionen erhalten, ohne davon Steuern oder Sozialversicherungsabgaben abführen zu müssen. Die Tätigkeit für den DSB und seine Untergliederungen ist nach den Bestimmungen der jeweiligen Verbands- und Vereinsatzungen grundsätzlich gemeinnützig und damit hiervon erfasst, wenn eine steuerliche Bescheinigung über die Gemeinnützigkeit des Verbands- oder Vereinszwecks vorliegt.

Einwirkung auf Menschen

Die den Freibetrag übersteigenden Einnahmen sind in aller Regel als Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit oder nichtselbstständiger Arbeit nach den allgemeinen steuerlichen Regelungen zu versteuern. Fallen für die ausgeübte Tätigkeit Betriebsausgaben und Werbungskosten an, so werden diese vom Finanzamt nur dann berücksichtigt, wenn sie den Freibetrag von 2.400 Euro übersteigen. Bezieht beispielsweise ein nebenberuflicher Trainer im Verein ein Jahresgehalt von 3.600 Euro, so sind 2.400 Euro steuerfrei; hiervon kann er nur solche nachgewiesenen Betriebs- oder Werbungskosten absetzen, die höher sind als die Pauschale von 2.400 Euro. Da sie eine Jahrespauschale ist, kann sie auch dann voll in Anspruch genommen werden, wenn nur in einigen Monaten entsprechende Zahlungen erfolgt sind.

Allerdings stellt sich bei Anwendung dieser Regelungen das Problem der Abgrenzung: Wer oder was ist im Sinne dieser Vorschrift begünstigt? Grundsätzlich sind mit den ausdrücklich im Gesetz aufgeführten Tätigkeiten als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher oder Betreuer nur solche Beschäftigungen vergleichbar, die auf andere Menschen durch persönlichen Kontakt so einwirken, dass sie deren geistige und körperliche Fähigkeiten entwickeln und fördern. Das gemeinsame Merkmal dieser Aktivitäten ist die pädagogische Ausrichtung. Begünstigt werden beispielsweise die Arbeit eines Sporttrainers oder Mannschaftsbetreuers, die Durchführung eines Erste-Hilfe-Kurses sowie auch eine Lehr- und Vortragstätigkeit im Rahmen der allgemeinen Bildung und die Fort- und Ausbildung. Platz- oder Hallenwarten, die sich in der Pflege und Instandhaltung von Sportanlagen, erschöpfen, sind dagegen grundsätzlich nicht begünstigt. Die beim Schießen erforderlichen Aufsichtspersonen erfüllen jedoch die Voraussetzungen, weil sie auf Menschen einwirken würden erfolgt und nicht nur eine sachbezogene Tätigkeit ausübten.

Vorsicht bei mehreren Tätigkeiten

Entscheidend ist bei allen diesen Arbeiten, dass sie nebenberuflich erfolgen. Ob sie „nebenberuflich" sind, hängt von mehreren Faktoren ab: Es kommt auf den Zeitaufwand, auf die Höhe der Vergütung und den Umfang an, in dem aus dieser Nebentätigkeit der Lebensunterhalt bestritten wird. Übt nun jemand keinen Hauptberuf aus, wie Hausfrauen (die anzuerkennende Hausfrauenarbeit zählt nicht als Beruf) oder Rentner, auch Arbeitslose, so kann dennoch „nebenberuflich" aktiv sein, wenn diese Tätigkeit eine untergeordnete Rolle im Leben spielt. Im Allgemeinen kann davon ausgegangen werden, dass eine nebenberufliche Aktivität immer dann vorliegt, wenn sie nicht mehr als ein Drittel der Arbeitszeit eines vergleichbaren Vollzeiterwerbs in Anspruch nimmt.

Hat jemand mehrere nebenberufliche Aufgaben (in mehreren Vereinen als Trainer oder zusätzlich als Chorleiter und Vortragender), so kann er die Pauschale nicht für jede gesondert in Anspruch nehmen. Vielmehr werden seine Einkünfte zusammengezählt und die Pauschale wird einmalig abgezogen. Führt eine Vielzahl einzelner nebenberuflicher Arbeiten letztlich zum Lebensunterhalt, so ist zu prüfen, ob tatsächlich noch eine nebenberufliche Tätigkeit vorliegt oder diese bei einer Gesamtschau nicht bereits als Beruf gewertet werden müssen. Der Bundesfinanzhof hat in diesem Zusammenhang entschieden, dass mehrere gleichartige Aufgaben zusammenzufassen sind, wenn sie nach der Verkehrsanschauung die Ausübung eines einheitlichen Hauptberufes darstellen. Dies wäre bei einem Trainerjob für mehrere Vereine anzunehmen.

Erhält ein Übungsleiter mehr als 2.400 Euro, kann das darüber hinausgehende Entgelt auf 450-Euro-Basis versteuert werden. Allerdings sind hierauf Sozialversicherungsbeiträge vom Verein zu entrichten. So kann ein Verein einem Trainer monatlich 200 Euro zuzüglich 450 Euro, also insgesamt 650 Euro bezahlen, ohne dass hierauf Steuern zu entrichten sind. Auf den Verein kommt dabei lediglich ein pauschaler Beitrag von 30 Prozent (für die Sozialversicherung 28 und das Finanzamt 2 Prozent) des 450-Euro-Verdienstes zu.

Ehrenamtspauschale

Ebenfalls mit dem Ehrenamtsstärkungsgesetz wurde auch die Ehrenamtspauschale von bisher 500 Euro im Jahr auf nunmehr 720 Euro angehoben. Ehrenamtlich Tätige können diesen Betrag für ihre freiwillige Mitarbeit als Aufwandspauschale steuerfrei und auch sozialversicherungsfrei erhalten. Dieser Ehrenamtsfreibetrag greift – wie die Übungsleiterpauschale – nur bei nebenberuflicher Tätigkeit in gemeinnützigen und mildtätigen Vereinen sowie im kirchlichen Bereich, allerdings nur, wenn der Übungsleiterfreibetrag nicht anwendbar ist. Beides zusammen geht daher nicht!

Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass im Gegensatz zur Übungsleiterpauschale eine Gewährung der steuerfreien Ehrenamtspauschale nicht an bestimmte Aufgaben gebunden ist. Voraussetzung ist, dass die Tätigkeit nebenberuflich ausgeübt wird und der Förderung gemeinnütziger, mildtätiger oder kirchlicher Zwecke dient. Dabei muss die konkret ausgeübte nebenberufliche Arbeit nicht unmittelbar selbst gemeinnützige, mildtätige und kirchliche Zwecke fördern. Auch eine bloß verwaltende Aufgabe kann begünstigt sein. Begünstigt ist als Job beispielsweise die von den Mitgliedern, dem Vorstand, dem Schatzmeister im Verein geleistete Arbeit. Auch die Tätigkeiten der Reinigungspersonen, des Hallen- und Platzwartes oder der Aufsichtspersonen sind hiervon erfasst. Selbst der Fahrdienst der Eltern zu Auswärtswettkämpfen der Kinder ist begünstigt. Soweit allerdings Aufgaben im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb eines Vereins anfallen, sind diese nicht begünstigt.

Rückspende

Regelmäßig sind die Vereinskassen nicht übermäßig gefüllt, so dass manch ein Schatzmeister überlegt, ob sich der Verein die Zahlung einer Ehrenamtspauschale überhaupt leisten kann. Mit den betreffenden Personen sollte der Schatzmeister über einen für alle lohnenden Weg sprechen: Ehrenamtlich Tätige können die ihnen steuerfrei ausgezahlte Ehrenamtspauschale freiwillig als Rückspende dem Verein wieder zukommen lassen. Der Verein erstellt dann eine Spendenbescheinigung, die der Steuerzahler in seiner Einkommensteuererklärung steuermindernd geltend machen kann mit der Folge, dass ihm das Finanzamt zumindest einen Teil der Aufwandspauschale als gesparte Steuern zurück erstattet. Übrigens ein ganz legaler Weg!

 





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